Montag, 23. Januar 2012

"My roots are grown but I don’t know where they are"

Meistens treffen die Musikempfehlungen von Amazon nicht wirklich meinen Geschmack oder aber ich habe die Scheibe längst. Dabei kommen mir meine Einkäufe in die Quere, die ich entweder für den Job oder aber als Geschenke getätigt habe. Dementsprechend ist übrigens auch meine Wunschliste gestaltet… Ich dehne etwas den Begriff Wunsch und meine damit wohl eher „Merkliste“…
Naja, deshalb habe ich viele Monate auch ein für mich ansprechendes Cover geflissentlich ignoriert, ist ja nicht so, als wüsste ich nicht auch ohne Verkaufsempfehlungen mein Geld auszugeben. Vor ein paar Tagen bin ich aber „Opfer“ besagter Empfehlungen geworden und habe einfach mal der Reihe alle mir unbekannten Alben und Bücher geöffnet. Und nach ein paar Tagen bekam ich dann ein recht großes Paket zugesendet. Unter anderem mit dem Debütalbum der Band The Head and the Heart.
Wie ich lesen durfte, eine Band, die vor allem als Liveband überzeugend ist und für ihre Backingvocals gerühmt wird. Dass ich gerade folklastige Bands nicht abgeneigt bin, ist kein Geheimnis mehr. Viel mehr hat mich aber genau das gepackt mit was sich die Songwriter in der Anfangszeit der Band beschäftigt haben und in ihren Songs verarbeitet haben:
“The songs resulting from those first inspired months pick at the multicolored threads of leaving home, finding home, and through that process of deconstruction, finding yourself. These are songs about crossing rivers and roads to get to the one you love, about family far away, and the desire to chase Technicolor dreams down foreign horizons.”
Während ich mich total abgeschnitten von allem fühlte, hat dieses Album alle meine Gefühle ausgesprochen. (Nicht nur für Menschen, die am 17. November geboren wurden eine Empfehlung.)

Mittwoch, 18. Januar 2012

Cozy Crime

Nachdem der November ja mal untypisch trocken war, kommt bei mir jetzt erst die Stimmung auf in meinem Sessel zu lesen und hin und wieder einen Blick durch mein Fenster ins Grau hinaus zu werfen. Was ich dabei lese? Cozy Crimes natürlich.
Nachdem ich durch Messen und Geschenke reich bestückt wurde und gerade den "Mord im Pfarrhaus" genieße, habe ich mich erinnert, dass ich ja nicht nur gerne lese, sondern auch mal ein wenig vor mich hin kritzel.

Dienstag, 15. November 2011

Was ich so höre

Mir mag irgendwie nicht so gefallen, dass Indie Rock gleich zweimal genannt wird. Naja, aber stimmt ja wohl... Irgendwie ist Indie Rock für mich gleich Pop. Herrje, ich wusste schon immer dass ich für die einfachen Dinge sehr empfänglich bin.

Dienstag, 19. Juli 2011

Tagebucheintrag eines unrasierten Mannes.

Svalbard. Eine kaltgewordene Tasse Kaffee steht neben einem Netbook mit abgegriffener Tastatur

Die Sonne scheint, sie scheint jetzt seit zwei Monaten strahlend auf uns herab, dreht sich und spiegelt sich im Schnee. Durch die hellen Vorhänge dringt ihr Licht weich auf deine Haut. Ich liebe deine blasse Haut, auf der hin und wieder Sommersprossen sich zeigen, die wie an einem frühen Nachthimmel, wie Sterne nur bei langen Hinsehen scheinbar wie Blasen an die Oberfläche eines dunklen Sees auftauchen. Der lange Aufenthalt im Norden, hier am Ende der Welt hat weichen Flaum auf deine Haut gebracht und wir beide lachen, wenn ich darüber streiche und dir die Geschichte der heiligen Magdalena erzähle und dass Künstler im Mittelalter sie mit einem lockigen Haarkleid bedeckten. Du bist also meine Magdalena, weniger schamhaft und weniger heilig, dafür menschlich, süß und weich. Während die Scooter an unserem verhangenen Fenster vorbei in die strahlende Nordnacht fahren, schlafen wir miteinander, decken uns mit unseren Körpern zu und werden durch den Flaum auf deiner Haut daran erinnert, dass wir hier in einer so menschenunfreundlichen Gegend uns befinden. Für mich ist es der hellfreundlichste Ort. Ich weiß jetzt schon, dass ich ihn, dich, die Sonne vermissen werde.

"this is the end"

Fast alle Bücher sind jetzt in den Umzugskartons verschwunden und mein letzter Urlaubstag neigt sich dem Ende entgegen. Irgendwie würde ich ihn gerne festhalten, noch einen Wein öffnen, auf die Kartons gucken und überlegen was ich eigentlich morgen überhaupt machen soll. Ich habe meinen ersten Urlaub im Jahr gehabt und nach nur einer Woche habe ich einfach die Arbeit vergessen. Ich habe vergessen, was ich noch vor einer Woche abgesprochen habe, was ich mit den Kollegen als Abgabetermine vereinbart habe, was als nächstes auf meiner Agenda steht und was ich für Termine habe. Obwohl ich Internet im Haus in den Dünen hatte, weiß ich weder was die Web2.0-Welt gerade ausheckt und bewegt, noch was die Literaturwelt mit Internetanschluss umtreibt.
Jepp, ich habe weder Innovationen mir aus dem Kopf gezogen, noch bin ich ihnen hinterher gehechelt. Hin und wieder pingte nur mein Handy auf und zeigte mir, was die Kollegen tweeten. Ich las alte, vor Ewigkeit veröffentlichte Bücher, während Sand auf meinen nackten Füßen trocknete und das Meer auf meinen Lippen zu schmecken war. Und jetzt frage ich mich, wie ich aus diesem Seifenblasengefühl wieder herauskommen soll. Wird mich die Arbeitswelt einfach an der Tür wieder an die Hand nehmen? Oder werde ich länger das Gefühl haben neben der Spur zu sein?
Morgen werde ich es wissen (genauso, ob ich diese Woche auch den Schlüssel zur neuen Wohnung vorzeitig bekommen werde).

Freitag, 15. Juli 2011

Im schillernden Rund

oder "Brideshead Revisited"

Langsam schimmert die Luft um sie, gegen die Sonne, sieht die kitschige Regenbogenfarben und sie riecht Palmoliveduft. Das Mädchen neben ihr schnattert ohne unter Unterlass und schafft es dennoch durch den gelben Ring zu pusten.
Sie nickt manchmal, brummt und vergräbt ihre Hände in das dicke Fell des Hundes, welcher glücklich schnauft und genießerisch die Augen schließt.
Die Luft riecht nach Heide und wenn sie mit der Zunge über ihre Lippen fährt schmeckt sie Salz.
Die Welt fern der Grenze, nah der Berge, berührt sie kaum. Wie durch einen Regenbogenschleier sieht sie die Sorgen. Und wollen sie doch aufschäumen, dann deckt sie diese mit feinstem Strandsand zu.
Leben im schillernden Rund. Behaglich, aber nicht von Dauer.

Montag, 25. April 2011

nordische Löffel

Gut, nachdem jetzt wohl auch der Letzte von der Eiersuche wiedergekommen ist, jetzt auch noch meine eher abschließenden Ostergrüße.
Dazu ein Bildchen, welches ich in den Heidedühnen von Dänemark aufgenommen habe. Possierlich, oder?

h

Fick mich für Support!

Überall stehen hübsche Menschen. Sie trinken überteuertes Bier, halten ihre Smartphones in die Höhe und offensichtlich gibt es den Geheimcode, dass man bei Bands aus Canada und Alaska verdammt-noch-mal Karohemden tragen sollte. So weit so gut, ein Konzertabend wie jeder andere. Die meisten sind frisch geduscht und man berührt sich beim Tanzen gerne mit den Hüften, lässt ungeniert Gesichter über unbekannte T-Shirt-Rücken streifen.

Wären da nur nicht diese Menschen, bei denen man sich fragt warum sie überhaupt Konzerte besuchen. Chic anziehen können die sich auch woanders, in Bars ist meist auch die Musik nicht so laut, da muss man auch nicht so schreien. Nur mal so ein Tipp von mir. Dann bekommt man auch nicht zufällig entnervte Ellenbogen in den Rücken gestoßen… Leider sind nicht alle bei einem „Portugal. The Man“- Konzert so schüchtern wie die Band selbst.

Vor mir unterhalten sich zwei Mädchen lauthals:
Mädchen 1: „Ach was, du bist doch schon eine Band. Du spielst etwas Gitarre und singst, das sind zwei Sachen.
Mädchen 2 schreit zurück: „Ja stimmt, von der Seite habe ich das gar nicht betrachtet. Dabei habe ich mich ja letztens schon aufgeregt. Bei so einem Vorsingen hat mein Freund den anderen Mädels applaudiert und fand sie schön. Dann habe ich ihn zur Rede gestellt. Ich meine, mit den anderen darf er nicht schlafen! Ich meine, da muss er mich doch supporten!“
Mädchen 1 nickt.

Ich bin etwas sprachlos weiter nach links gerutscht. Wobei dort eine Horde von Frauen wartete, die über eine Desiree abzogen. Also liebe Desiree aus München, deine Freunde halten dich für fett und eitel. Wenn du mehr Infos benötigst, schreibe mir eine Nachricht, ich weiß noch mehr…

Ist das nur mein Eindruck, oder gehen immer mehr Leute zu Konzerten ohne etwas von denen eigentlich etwas mitbekommen zu wollen? Dabei war das Konzert selber sehr toll. Auch wenn sie nicht längst alle meine Wunschlieder gespielt haben. Ich warte also auf das nächste Konzert, welches ja noch dieses Jahr kommen wird. Dann hoffentlich ohne die sehr redebedürftigen Menschen.

Unerträglichkeit des Ichs

„Ich neide allen ihr Nichtich-Sein. Da mir von allen Unmöglichkeiten diese stets als die allerunmöglichste vorkam, wurde sie zu meiner täglichen Begierde, zu meiner Verzweiflung in allen traurigen Stunden.“ [1]

Ein Blinzeln im Streiflicht, langsam schweben Teilchen durch die Luft. Das Licht trifft darauf, lässt ein sanft staubiges Leuchten durch den Raum flimmern. Mein Blickt betrachtet, nimmt auf. Und verschließt sich wieder, als das Bewusstsein im Raum zu greifen beginnt.

Ich will nicht sein! Und dieser Wille ist so schmerzhaft, weil er wahrscheinlich paradox ist.

Genießerisch habe ich die Tage verbracht, in denen ich Dich vermisste, in denen ich Licht auf meinen Körper streifen und in Erinnerung Deine Finger über meine Haut streichen sah. Ich genoss die Stunden, in denen meine Lippen aufeinander trockneten, weil ich nicht mehr sprechen musste, in denen ich nur mit den Finger beim Lesen drüber fuhr.

Doch mit dem Streiflicht kam ich wieder ins Spiel und kein Griff zum Buch, kein verzweifeltes Festhalten am schmerzhaften Verliebt Sein oder am barfüßigen Janis Joplintanz im abgedunkelten Schlafzimmer bringt mir die Ruhe vor mir und der ängstlichen Leere zurück.

Nunmehr bin ich zittrige Leere, inhaltslos aber mit zu viel Substanz um sich einfach auflösen zu können. Ich liege ob meiner Unfähigkeit in Ketten. Ich bin es nicht, der die Menschheit retten kann, bin keiner der führt oder einfach nur sicher folgen kann. Ich. Zweifler.

Und in den Tagen der Einsamkeit ist selbst der Hass verblasst. Wie beneide ich die Selbstlosen und die, deren Lebensmotto „Unverzagtheit“ ist. Denn was bin ich anderes als Verzagtheit?

________________
1 Pessoa, Fernando: Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, übersetzt v. Inés Koebel. 2011: Fischer, S. 50.

Freitag, 15. April 2011

Beauvoir und meine Tagesplanung

Vor 25 Jahren starb Simone de Beauvoir. Für mich sind so ziemlich allein ihre Schriften aus dem feministischen Dunstkreis für lange Zeit erträglich gewesen. Bei vielen anderen regt sich in mir der Unwille, die Uneinigkeit, nicht so bei ihr. Als ich das erste Mal hörte „Wir werden nicht als Frauen geboren, sondern zu ihnen gemacht“, da wusste von Anfang an für mich, dass das stimmte. Aber finde ich, dass solche Tage wie der Girlsday sinnvoll sind, der auch heute ist? Vor ein, zwei Jahren hätte ich das negiert. Die Quote erst recht, wobei ich anfange zu zweifeln…
Was aber seit meiner Beschäftigung mit den Gender Studies bleibt ist, dass obwohl seit den 80ern nicht allein die Frauen im Blickfeld sind, Männer immer nur als Gegensatz bearbeitet werden, als Vergleichsbeispiel. Dabei ist egal welches Geschlecht doch Zwängen des ebendiesen unterworfen. Wäre es da nicht passend einfach Genderdays einzuführen? Es gibt Studien, die zeigen, dass Kinder im Aufwachsen eine Vielzahl von Identitätsrollen einnehmen können, allerdings in Wirklichkeit nur die Mädchen. Ein Mädchen kann vieles sein, Jungs haben nur drei Rollen in einer dynamischen Gruppe: Der Anführer, der Mitläufer, der Außenseiter. Aber wie kommt es, dass Frauen bei ihrer Vielzahl im Aufwachsen im Erwachsensein beispielsweise „gläserne Decken“ spüren, Wege nicht gehen können. Obwohl sie als Kind überzeugt waren, dass der geschlechtliche Aspekt nur ein kleiner Teil einer Identität eines Menschen ausmacht, erleben sie immer wieder die Unterschiede, die in der Gesellschaft aufgebaut sind, wobei die Gründe oftmals im Dunkeln liegen.
Aber naja, es gibt ja auch seit kurzem den Boysday, vielleicht erlebe ich in kurzer Zeit auch, dass einfach diese Tage zusammen geführt werden oder sogar obsolet sind? Ich weiß es nicht…
Und darum werde ich mir Karin Rönickes Vortrag „Stereotype, Sichtbarkeit und Wettkampf. Diversity in der digitalen Gesellschaft“ auf der re:publica angucken. Vielleicht trifft man sich ja da. Das Ziel sind nämlich Lösungsversuche. Denn mal tau!

Dienstag, 12. April 2011

Von Frühlingslämmern und alten Schafen

Der Zug fährt an sanfthügligen Weiden vorbei. Auf ihnen sind die ersten Frühlingskälber, braun, in die Sonne glänzt ihr junges Fell.
Ich erinnere mich an die Zeit im Winter, während unsere Füße langsam zu Eis wurden, spalteten wir am Morgen Holz und stapelten es die Außenwände der Gartenschuppens hoch und unterhielten uns. Was wir am Abend zuvor im Fernsehen gesehen hatten, wobei S., ein blonder Junge mit Intellektuellenbrille die Geschichten am besten nacherzählen konnte, herrlich banale Gerüchte, Scherze, und Wünsche, die man sich zuwarf, während die Luft nach harzigen Holz und frisch gefallenen Schnee roch. Und H. erzählte von seinen Schafen, wie viel Wolle sie ihm eingebracht hatten und wie viele Frühlingslämmer er sich wünschte. Und wie immer lud ich mich zum Frühling ein um sie zu sehen.
Damals war H. noch ein schmaler, blassblonder Junge, mit mehr Stimme als Körper. Und die Weichheit seiner geröteten Wangen passte gut zu den frischen, weißen Lämmern, die im Frühling in den ersten Strahlen der Sonne unbedarft tollten.
Hätte ich damals mir denken können, dass ich in meiner Zukunft das Land nur noch vom Vorbeigehen her kennen sollte?
Wann bin ich den Weg eingeschlagen, der mich davon wegführte, neugeborene Kälber mit Stroh abzureiben? Ich fühle mich eigentlich nicht anders als Städterin, als Landpomeranze vom flachen Land.

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erphschwester - 22. Jan, 18:44
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erphschwester - 22. Jan, 18:34
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