Samstag, 21. März 2009

“Footsteps follow, down through the hollow sound, torn up.”

Der Blick ist weit, während ich über Vogelhecken klettere, mir an getrockneten, Winterbrombeersträuchern die Arme zerkratze. Es fühlt sich gut an und ich schiebe die Arme meiner zu großen Strickjacke noch ein Stück weiter über meine Ellenbogen. Endlich auf dem offenen Feld angelangt, welches mein Auge längst erreicht hatte, sehe ich den Wind über der noch so zarten Wintergerste wehen. Ich singe laut, ich verschrecke nur die weit entfernten Eichhörnchen im Wald. Ich habe ihn genauso zurückgelassen wie die kleinen Häuser mit ihren Satteldächern. Sie und ihren Staub.

"The door slammed loud and rose up a cloud of dust on us "

Langsam war ich aus einem der Häuser herausgetreten, ich weiß längst nicht mehr welches… Ich war herausgetreten, hatte keinen Blick zurückgeworfen, nur noch meinen dick gestrickten Schal um mich geschlungen und war gegangen. Da summte ich noch leis. Ich ging über gepflasterte Straßen und an Zäunen vorbei, an der die Farbe der letzen Jahren abblätterte und ging weiter.
Der Wald war still und meine Stimme hatte Platz lauter zu werden. Ich sang immer die gleichen Zeilen, änderte nur die Stimmen, die ich im Kopf zusammenfügte. Der Boden war weich von den braunen Nadeln.

"You go
Wherever you go today
You go today "

Endlich auf dem Feld schrie ich die Melodie von mir, warf sie in die Luft, in den zerrissenen Himmel und der Wind antwortete. Er riss an meinem Kleid, ließ es auf und zur Seite tanzen.
Nach der Bö schritt ich weiter durch frische Scholle, satte Erde legte sich auf meine Stiefel. Und wie zur Erinnerung spielte der Wind in meinem Haar und flüsterte mir ins Ohr.

"
When a-walking brother don't you forget
It ain't often that you'll ever find a friend "



Fleet Foxes: Mykonos, von der EP Sun Giant, 2008.

Samstag, 14. Februar 2009

Das Tier im Menschen

Isabella Rossellini erklärte mal, dass sie ihren Vater mit einem Huhn vergleichen würde. Das hörte sich für mich erst recht negativ an, doch dann führte sie aus, dass ihr Vater wie eine Glucke gerne seine Kinder um sich versammelte, im Bett lag und mit ihnen kuschelte, beispielsweise wenn er las, einen Mittagsschlaf hielt, seine Filme vorbereitete.
Also ein sehr schönes Bild.
Während ich im hohen Norden Kegelrobben betrachtete, fand ich das Tier, mit dem ich meinen Vater vergleichen konnte. Und das klingt zuerst auch nur verniedlichend, ist es aber nicht.
Und kennt ihr jemanden, denen ihr ein bestimmtes Tier zuschreiben würdet?

Mittwoch, 7. Januar 2009

Neujahr oder wie ich den Hund meiner Schwiegereltern vergiftete

Da ich langsam in das gesetzte Alter komme zu wissen, dass man nicht Silvester auf die Idee kommen sollte für die Party Besorgungen erledigen zu wollen, regelte ich das dieses Jahr schon früher. Zum neuen Jahr sollte es also tatsächlich Baguette geben und keinen Ersatz in Form eines formschönen Kastenbrotes. Nein, was das anbelangt, hatte ich meiner imaginären Strichliste schon etliche Häkchen anfügen können und sogar der abstrusen des Fanatikers. Wir waren also vorbereitet, das neue Jahr konnte kommen und wir hatten zumindest die letzten Tage des alten Jahres vollkommen unter Kontrolle.
Fast jedenfalls, denn wie das Schicksal es wollte, ging ich unter die Giftmischerinnen. Meine Vorsätze für das Neue Jahr schienen unterbewusst zu sein mal einen neuen Berufszweig ergründen zu wollen und neue Pfade zu beschreiten. Ich dachte eigentlich, dass wenn ich einen Mord begehen würde ich eher brachialer ans Werk gehen würde. An einen Dolch, meinetwegen ein Messer, einen Hammer, eine Kettensäge, meine Fäuste oder auch meinetwegen eine Glock als Werkzeug… doch es sollte anders kommen.
Mit seinen Geschwistern hatte sich der Fanatiker bereit erklärt das Haus und vor allem den autistischen Hund zu hüten und darauf zu achten, dass er seine Pillen für sein Drüsenleiden sowie das Beruhigungsmittel, welches er aufgrund seiner Altersdemenz verschrieben bekam, pünktlich morgens und abends in einem diskreten Fleischröllchen verabreicht bekam.
Alles an sich ganz einfach, hatten wir doch sogar eine Strichliste und jeder mindestens dreimal Instruktionen über die richtige Dosierung erhalten. Ein einfacher Job dafür, dass wir nun einen Ort hatten, um mit gleich gesinnten Silvestermuffeln einen schönen Abend verbringen zu können.
Doch eine Verkettung von unglücklichen Missgeschicken führte dann doch zu einigen Verwirrungen und Aufregungen. Niemals las ich vorher so viele Informationen zu Medikamenten und dabei half ich meinem Bruder bei seiner Ausbildung, doch das ist wieder eine andere Geschichte.
Wer hätte gedacht das ein fast kleiner Hund vom Aussehen mehr eine Kreuzung zwischen Schäfchen (nein, kein Schaf) und Ewok soviel Mühe bereiten könnte? Mein Herz brachte dieses Wesen jedenfalls sehr zum Klopfen. Ich war entweder verliebt oder in absoluter, kaum lässig verholener Panik!
Ein, zwei Tage vor Silvester, wir betranken uns schon, denn das können wir Heidjer in geselligen Runden besonders gut und verdrängen zusammen die Zukunft (gut, manche leben schon mehr in der Zukunft und überholen wie die Weltmeister, ohne je einen Führerschein gemacht zu haben, aber denen höre ich nur lächelnd zu) und leben im Jetzt, als ich auf die Uhr blicke. Es ist Zeit für den Hund seine Medikamente zu nehmen. Ich blicke sogar auf die Strichliste, ob womöglich jemand anders die gleiche Idee hatte. Nein, nichts eingetragen. Ich dosiere also alles und wickle es in Pastete und reiche es feierlich dem Hund. Da er dement ist, konnte er mir wohl nicht erklären, dass ich gerade einen folgenschweren Fehler beging. Nein, er leckte sich sogar zufrieden über die Lefzen. Mir erschien die Welt zwar nicht rosig aber irgendwie noch in ihren gebrochenen Fugen.
Das änderte sich, als die Wetterfrau hereinkam, sie ist die Schwester des Fanatikers und eigentlich noch keine fertig ausgebildete Wetterfrau, aber für mich ist Physik genauso erklärbar wie Schamanismus, sodass ich mich mit diesem Teil ihrer Welt kaum auseinandersetze. Besagte Wetterfrau sah meine Striche und Kreise auf der Medikamentenliste und bekam einen ernsten und sicher fast schon zornigen Ausdruck. Wie sich herausstellte, hatte sie dem Hund - ohne Eintragung in die Liste – längst die Tabletten gegeben. Ohne das ich Spaß daran hatte, war ich zu der Frau geworden, die den Hund ihrer Schwiegereltern vergiftete. Ich trank mein Whiskeyglas bis zum Grund aus. Verdammt!
Natürlich waren die Beipackzettel nicht da, sodass ich erstmal im Internet nachforschte und so einiges über die Medikamente des Hunds erfuhr. Das Wölkchen schlief derzeit seelenruhig auf einem Kissen, die anderen betranken sich ruhig weiter, der Fanatiker war sich sicher, dass der Hund mehr wegstecken könne, als man ihm so allgemeinhin ansähe.
Mein Herz pochte.
Nun, eines der Nebenwirkungen eines der Medikamente stellt eine gekrümmte Körperhaltung dar… tja, dieser Hund wusste gar nicht was eine gerade Körperhaltung sein könnte, daran würde ich also keine Gewissheit erhalten. Ich rief den Hund zu mir und fragte nach seinem Befinden, er kratzte sich unbeteiligt am Ohr… er sah nicht gerade nach einem Sterbenden aus, aber ich war mir noch nicht so sicher, mir schwebte der Begriff „walking ghost“ im Kopf herum.
Silvester war gerade vergangen, als ich mir fast sicher war, dass der Hund nicht plötzlich umkippen würde, als ich ihm in eines der Schlappohren zuraunte, dass wir einen Pakt hätten.
Einen Pakt, der nur dem Hund und mich etwas angeht, und den nur ich wiederholen könnte, denn der Hund ist ja dement.

one way or the other

one way or the other

Bleibt alles anders

Eine Fahrt in eine Vergangenheit, die es niemals so gab. Ich werde in eine Landschaft gesogen, die nicht nur durch die Feuchtigkeit Stockflecken aufweist, sondern in gelbstichigen Sepiatönen meine Erinnerungen in sich trägt.
Schweigend höre ich zu. Bin ich ihr Mediator? Gräser fragen mich verzagt und auch die Menschen passen mich ab. An den wie Netzen ausgeworfenen, Hilfe suchenden Blicken gehe ich vorbei. Ich habe nichts zu geben, es tut mir leid. Es tut mir leid. Ansonsten bin ich der Mediator, behalte meine Gefühle im Kopf und versuche mein sprechendes Gesicht starr zu halten.
Aber ich bin farbiger, farbiger als die anderen. Trotzdem fühle ich mich leer. Farbe ist nicht alles.
- „Der Mensch strebt nach Glück und will ewig leben.“
- „Nein.“

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Caféunterhaltung

- „Ai Hua, du bist einfach zu männlich!“
- „Ach ja? Das wusste ich gar nicht.“
Verwundert sitze ich dem jungen Mann mit dem Cordjackett gegenüber, ich trinke eine heiße Schokolade und er hat sich das dritte Stück Pflaumenkuchen gerade bestellt.
Mit der Gabel zeigt er auf mich. „Ja, du denkst wie ein Mann. Total unsensibel. Du musst mehr mit anderen leiden und in hysterische Zustände verfallen.“
Ich streiche angegriffen meinen Rock glatt und meine dann: „Mache ich doch! Erst gestern habe ich geschrieen und mir fast die Haare gerauft. Ich kann es nicht ausstehen, wenn der Fanatiker immer besser in allen Computerspielen ist!“
-Äh, schon wieder ein Fehler. Richtige Frauen spielen keine Computerspiele. So wird das nie was mit Dir!“
Er blickt mich prüfend an und scheint mich dann mit der Kellnerin zu vergleichen, die ihm gerade das Kuchenstück bringt.
„Weißt du, du solltest dich endlich mal bemühen. Du taugst nämlich erst recht nicht zum Mann!“

Er war schon beim letzten Bissen angelangt, bis mir irgendeine Entgegnung fast gelingen will. Ich hatte schon 'Rollendenken ist doch blöd' bis zu 'Ich gründe mein eigenes Geschlecht!' verworfen und brachte jetzt hervor:
"Selber!"

Meine Wortschubladen

Es gibt Worte, die sind einfach magisch. Ich bin geneigt "Stopfkuchen" in meine Sammlung aufzunehmen. In die gleiche, überschäumend homoirige Ecke sortiere ich auch "Kittel" und "Tisch", aber auch an manchen Tagen "Senf".

Dienstag, 16. Dezember 2008

Es muss nicht dumm sein zu Vorträgen zu gehen

Während zwei Perlohring-ich-habe-auch-noch-so-einen-schönen-Pullover-an-Mädchen in Konzertlautstärke sich die komplizierten Handlungsstränge eines Inside-Artikles zuschrien, versuchte der Professor die dagegen sicherlich banale Komplexität Raabes Literatur, nämlich die Gebrochenheit und seine Art der Selbstreflexion der Sprache zu erläutern.
Kurz jagten mich Mordgelüste auf die Mädchen mit den hübschen Ponyfrisuren, aber nur kurz, denn nur schon die Titelerwähnung Stopfkuchen. Eine See- und Mordgeschichte lässt mich auf irrige Weise glücklich werden.
Es gibt Vorträge, die in ihrer Humorigkeit das Leben retten können. Ich bin mir sicher, dass der Professor als ein Zitat an Raabes Literatur mit vollkommener Absicht den Begriff „Stopfkuchen“ ganze 36 Mal wiederholt, dazu noch die feinsten Wortwiederholungen gesponnen in verschiedenen Wortzusammenhängen.
Das Vorhaben Raabe neu zu lesen ist keine Entscheidung mehr, sondern als ein hypnotisches Lachen in mich gepflanzt.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Nikolaus

Leider kam ich nicht früher dazu, darum an sich schon über den Tag hinaus. Aber trotzdem die weihnachtliche Stimmung kann ja auch verspätet aufkommen... bestimmt!

Freitag, 5. Dezember 2008

Zusammen und unabhängig

Ein Wochenende, es war noch Herbst und die Menschen trugen dicke Wollsachen. Die Winterjacken ließen sie zu Hause, denn die Sonne schien nicht nur golden durch das verfärbte Laub, sondern wärmte strahlend.
Drei Menschen, drei Gedankengänge, die streunen gingen und dabei sich lose trafen.
Fragmente denken, in den Himmel schneiden, den roten Faden einfach fliegen lassen.
Gerne wieder, mit euch zertrümmere ich die Welt gerne, setze sie neu zusammen.

a arch of red

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Zur Weihnachtszeit ein wenig Disneyflair

Nichts gegen Rosa und gummiaufblasbare Romantikschlösser, aber ich bin jetzt kein Fan in erster Instanz, wenn es um Disney geht. Trotzdem bin ich in die Hypoausstellung gesprungen, denn wir mir versichert wurde, diese Ausstellung ist eine Mogelpackung die man mal gesehen haben muss. Hört sich zuerst widersprüchlich an, aber nicht, wenn man weiß wie der ältere Herr so gestrickt ist, der diese Aussage gemacht hat.
„Walt Disneys wunderbare Welt und ihre europäischen Wurzeln“ soll dem Publikum zeigen woher der Disney seine Inspirationen her hatte. Wie man ja eigentlich auch weiß ist der Gute ja damals bei der Weltausstellung dabei gewesen und hat sozusagen mal alles zusammen gekauft und gesammelt was ihm brauchbar erschien und dann noch Reisen durch das Europa in den darauf folgenden Jahrzehnten ließen einiges zusammen kommen. Entweder wird also die bisher als Kitsch Bildsprache Disneys nobilitiert oder aber es wird eine Verbindung zwischen der ach so hohen Kunst zur ordinären Traummaschinerie Disneys geschlagen.
Wie dem auch sei, wer wirklich Disney sehen will findet in der Ausstellung eigentlich recht wenig, dafür aber umso mehr tolle Gegenüberstellungswerke. Darunter auch die Tageszeiten von Runge, die Münchner Visionen sieht man ja ansonsten nicht so häufig. Ihr Zustand ist allerdings auch mal nicht so gut. Aber auch andere Künstler, wie Stuck, Kley oder Rousseau sind zu sehen. Und ich persönlich hatte mich am meisten auf die Zusammenarbeit von Dalí und Disney gefreut. Ich hatte nämlich schon viel über den Film Destino gelesen, aber ihn noch nie gesehen.
Disney hatte den Kurzfilm bei Dalí in Auftrag gegeben, dem sich der Künstler auch stark widmete (er fertigte eine Masse an Skizzen und Gemälden an), trotzdem blieb das Ganze unvollendet. Erst 2003 konnte der Film sozusagen „vollendet“ werden, mit seinem knapp sechs Minuten auf jeden Fall eines der interessanten Dinge dieser Ausstellung.
Alles in allem eine nette Ausstellung mit einer althergebrachten Grundthese und etwas wenig Disneyaustellungsstücken…

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