Montag, 25. April 2011

nordische Löffel

Gut, nachdem jetzt wohl auch der Letzte von der Eiersuche wiedergekommen ist, jetzt auch noch meine eher abschließenden Ostergrüße.
Dazu ein Bildchen, welches ich in den Heidedühnen von Dänemark aufgenommen habe. Possierlich, oder?

h

Fick mich für Support!

Überall stehen hübsche Menschen. Sie trinken überteuertes Bier, halten ihre Smartphones in die Höhe und offensichtlich gibt es den Geheimcode, dass man bei Bands aus Canada und Alaska verdammt-noch-mal Karohemden tragen sollte. So weit so gut, ein Konzertabend wie jeder andere. Die meisten sind frisch geduscht und man berührt sich beim Tanzen gerne mit den Hüften, lässt ungeniert Gesichter über unbekannte T-Shirt-Rücken streifen.

Wären da nur nicht diese Menschen, bei denen man sich fragt warum sie überhaupt Konzerte besuchen. Chic anziehen können die sich auch woanders, in Bars ist meist auch die Musik nicht so laut, da muss man auch nicht so schreien. Nur mal so ein Tipp von mir. Dann bekommt man auch nicht zufällig entnervte Ellenbogen in den Rücken gestoßen… Leider sind nicht alle bei einem „Portugal. The Man“- Konzert so schüchtern wie die Band selbst.

Vor mir unterhalten sich zwei Mädchen lauthals:
Mädchen 1: „Ach was, du bist doch schon eine Band. Du spielst etwas Gitarre und singst, das sind zwei Sachen.
Mädchen 2 schreit zurück: „Ja stimmt, von der Seite habe ich das gar nicht betrachtet. Dabei habe ich mich ja letztens schon aufgeregt. Bei so einem Vorsingen hat mein Freund den anderen Mädels applaudiert und fand sie schön. Dann habe ich ihn zur Rede gestellt. Ich meine, mit den anderen darf er nicht schlafen! Ich meine, da muss er mich doch supporten!“
Mädchen 1 nickt.

Ich bin etwas sprachlos weiter nach links gerutscht. Wobei dort eine Horde von Frauen wartete, die über eine Desiree abzogen. Also liebe Desiree aus München, deine Freunde halten dich für fett und eitel. Wenn du mehr Infos benötigst, schreibe mir eine Nachricht, ich weiß noch mehr…

Ist das nur mein Eindruck, oder gehen immer mehr Leute zu Konzerten ohne etwas von denen eigentlich etwas mitbekommen zu wollen? Dabei war das Konzert selber sehr toll. Auch wenn sie nicht längst alle meine Wunschlieder gespielt haben. Ich warte also auf das nächste Konzert, welches ja noch dieses Jahr kommen wird. Dann hoffentlich ohne die sehr redebedürftigen Menschen.

Unerträglichkeit des Ichs

„Ich neide allen ihr Nichtich-Sein. Da mir von allen Unmöglichkeiten diese stets als die allerunmöglichste vorkam, wurde sie zu meiner täglichen Begierde, zu meiner Verzweiflung in allen traurigen Stunden.“ [1]

Ein Blinzeln im Streiflicht, langsam schweben Teilchen durch die Luft. Das Licht trifft darauf, lässt ein sanft staubiges Leuchten durch den Raum flimmern. Mein Blickt betrachtet, nimmt auf. Und verschließt sich wieder, als das Bewusstsein im Raum zu greifen beginnt.

Ich will nicht sein! Und dieser Wille ist so schmerzhaft, weil er wahrscheinlich paradox ist.

Genießerisch habe ich die Tage verbracht, in denen ich Dich vermisste, in denen ich Licht auf meinen Körper streifen und in Erinnerung Deine Finger über meine Haut streichen sah. Ich genoss die Stunden, in denen meine Lippen aufeinander trockneten, weil ich nicht mehr sprechen musste, in denen ich nur mit den Finger beim Lesen drüber fuhr.

Doch mit dem Streiflicht kam ich wieder ins Spiel und kein Griff zum Buch, kein verzweifeltes Festhalten am schmerzhaften Verliebt Sein oder am barfüßigen Janis Joplintanz im abgedunkelten Schlafzimmer bringt mir die Ruhe vor mir und der ängstlichen Leere zurück.

Nunmehr bin ich zittrige Leere, inhaltslos aber mit zu viel Substanz um sich einfach auflösen zu können. Ich liege ob meiner Unfähigkeit in Ketten. Ich bin es nicht, der die Menschheit retten kann, bin keiner der führt oder einfach nur sicher folgen kann. Ich. Zweifler.

Und in den Tagen der Einsamkeit ist selbst der Hass verblasst. Wie beneide ich die Selbstlosen und die, deren Lebensmotto „Unverzagtheit“ ist. Denn was bin ich anderes als Verzagtheit?

________________
1 Pessoa, Fernando: Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, übersetzt v. Inés Koebel. 2011: Fischer, S. 50.

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